Masterplan

Ein flexibles Grundgerüst als Grundlage für gute Stadtentwicklung

Ein am 29. Februar 2000 vom Senat der Freien und Hansestadt beschlossener Masterplan HafenCity hat sich bis heute als erfolgreicher Entwicklungsrahmen für die HafenCity erwiesen. Das aus Plänen und Leitzielen bestehende Dokument skizziert die grundsätzlichen Ziele der HafenCity-Entwicklung. Hervorgegangen ist es aus einem von der damaligen Stadtentwicklungsbehörde und der GHS (heute: HafenCity Hamburg GmbH) vorbereiteten internationalen Wettbewerb. Dabei überzeugte der Entwurf des Teams Hamburgplan mit Kees Christiaanse mit ASTOC vor allem durch eine feinkörnige Mischung verschiedener Nutzungen sowie die vielfältigen Bezüge zur bestehenden inneren Stadt, einige ausgewählte städtebaulich geschickte Setzungen für besondere Orte sowie das flexible Grundgerüst unterschiedlicher Stadtquartiere. Mit einer gleichzeitig großen Bandbreite städtebaulicher Typologien ermöglicht es der Masterplan bis heute, die insgesamt zehn Quartiere mit unterschiedlichem Charakter schrittweise zu realisieren.

Von Anfang an war der Masterplan als ein flexibles, fortschreibungsfähiges Konzept gedacht, das im weiteren Planungs- und Entwicklungsprozess verfeinert und konkretisiert wird. So umfasst er lediglich technische Grundaussagen zu Verkehr, Hochwasserschutz oder Freiraumplanung, die stetig weiterentwickelt werden: Wichtige Schritte sind dabei die städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbe, die Architekturwettbewerbe für die einzelnen Gebäude und die Infrastrukturwettbewerbe für Brücken, aber auch die Funktionsplanentwürfe, die als Abstimmungsmodus nach den städtebaulichen Wettbewerben entstehen. Weiterhin ermöglicht er strategische Setzungen zur Nachhaltigkeit der Gebäude, zur sozialen Mischung, zu Mobilität und zu neuen Nutzungsmöglichkeit.

Überarbeitung

Zehn Jahre lang hatte sich der Masterplan als guter Ausgangspunkt für die Entwicklung der einstigen Hafenflächen südlich der Innenstadt erwiesen. Das Dokument bot jedoch für die drei östlichen Quartiere Oberhafen, Baakenhafen und Elbbrücken keine ausreichende Planungsgrundlage. Außerdem hatten sich die dortigen Rahmenbedingungen erheblich verändert: Wurde die östliche HafenCity zunächst als eher vorstädtische Stadtlage angesehen, galt sie mittlerweile, auch wegen der vorher nicht eingeplanten U-Bahnanbindung, als Teil der neuen Kerninnenstadt. Somit wurde der Masterplan zwischen 2008 und 2010 komplett überarbeitet und als Masterplanüberarbeitung 2010 vom Senat beschlossen.

Im Vergleich zur westlichen und zentralen HafenCity sind die drei östlichen Quartiere räumlich etwas isolierter und weniger in die bestehende City integriert. Zudem erfordert die Nähe zu den Verkehrstrassen besondere Lärmschutzmaßnahmen – woraus sich auch besondere Chancen ergeben, den Quartieren eine eigene Identität zu geben: Am Baakenhafen entsteht im Schwerpunkt eine durchmischte „Stadt für alle“, ein Wohn- und Freizeitquartier mit einigen Tausend Arbeitsplätzen, der Oberhafen wird zum Kreativ- und Kulturquartier und das Quartier Elbbrücken zum urbanen Wohn- und vor allem Geschäftsstandort für neue Arbeitswelten mit hoher Innovationskraft.

Federführend bei der Überarbeitung waren die HafenCity Hamburg GmbH, die damalige Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt sowie der Verfasser des ersten Masterplans, Kees Christiaanse mit ASTOC. Gleichzeitig erfolgte eine intensive öffentliche Diskussion mit über 40 Veranstaltungen. Seither wird der überarbeitete Entwurf in weiteren Schritten u. a. durch städtebauliche und architektonische Wettbewerbe, Freiraumwettbewerbe und Bebauungspläne zunehmend verfeinert.

Veränderungen 

Durch die Überarbeitung des Masterplans wird in der gesamten HafenCity deutlich mehr Nutzfläche realisiert: Aufgrund einer höheren Bebauungsdichte und durch die Verlagerung von hier einstmals angesiedelten großen Hafennutzungen erhöht sich die Bruttogrundfläche (BGF) von 1,5 Mio. m² auf 2,4 Mio. m². Die Landfläche erhöhte sich durch eine Landgewinnung am Ostende des Baakenhafens und den neuen Baakenpark zudem von 123 auf 127 ha. Mit der Überarbeitung wurde auch die Anzahl der entstehenden Wohnungen von 5.500 auf rund 7.500 erhöht. Zudem wurden die Möglichkeiten sozialer Mischung gestärkt und Baugemeinschaften bei der Grundstücksvergabe seitdem noch stärker berücksichtigt sowie, seit 2011, ein Drittel des entstehenden Wohnraums öffentlich gefördert. 

Auch der grüne Charakter der HafenCity wurde weiter bearbeitet: Große und kleine Plätze sowie eine Vernetzung der Orte unterstreichen die urbane Raumintegration der östlichen HafenCity. Der Lohsepark führt als zentraler Volkspark der HafenCity über den Park Baakenhöft bis an die Elbe. Im Süden lädt eine Elbpromenade zum Flanieren bis nach Entenwerder ein, und der Baakenhafen hat mit der künstlich aufgeschütteten Halbinsel Baakenpark ein grünes Spiel- und Freizeitareal erhalten. Die öffentlichen Freiflächen in der gesamten HafenCity erstrecken sich damit über rund 28 ha statt der zunächst vorgesehenen 24 ha (ohne private öffentlich nutzbare Flächen) und die Uferlinie am Wasser verlängert sich von knapp 10 auf 10,5 km.

Die Prägung der östlichen HafenCity durch Hauptverkehrsstraßen führt im Norden und Osten allerdings zu einer hohen Lärmexposition. Für diese Standorte gibt es daher intelligente städtebauliche und technische Konzepte: An der östlichen Hauptverkehrsachse Versmannstraße entstehen überwiegend Bürobauten mit breiten Rücken zur Straßenseite, die somit zu schallgeschützten Stadtarealen auf der Südseite führen. Halb geschlossene Wohnensembles wiederum formen Innenhöfe, die ein geschütztes nachbarschaftliches Miteinander gewährleisten.

Nachhaltigkeitsaspekte

Die schon hohen Nachhaltigkeitsstandards der westlichen und zentralen Quartiere werden im Osten zudem noch übertroffen. Neben der Etablierung eines innovativen Wärmeenergiekonzepts entstehen nahezu alle Gebäude nach dem höchsten Standard des Umweltzeichens HafenCity. Gleichzeitig wird ein quartiersübergreifendes und in den Tiefgaragen verortetes Carsharing-System mit einem zunehmend hohen Elektrofahrzeuganteil eingerichtet. 

Die Überarbeitung des Masterplans hat die City-Funktion der HafenCity weiter ausgedehnt und gestärkt. Gleichzeitig wurde das Stadtentwicklungsgebiet bis zu seiner östlichen Spitze mit seinen neuen Möglichkeiten zu Ende gedacht. Insgesamt ist der Masterplan daher auch keine Blaupause oder ein Plan, den es strikt umzusetzen oder zu realisieren gilt. Er ist vielmehr der Ausgangspunkt einer komplexen Handlungsstrategie, in der immer neue Möglichkeiten geschaffen werden. Schließlich wird im Prozess der Stadtentwicklung Stadt immer gezielt neu erfunden – und nicht nur durch ihre sich verändernde Nutzung neu definiert.

Überblick

Daten & Fakten

157 ha Fläche, 7.500 Wohnungen, 45.000 Arbeitsplätze, ... Die HafenCity und ihre Entwicklung in Zahlen.

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