Kunst und Kultur
Ein Ort der Kultur, Kreativität und des Gedenkens
Von Sommertango am Buenos-Aires-Kai bis zu Jazz in der Halle 424, von afrikanischer Skulptur bis zur Virtual-Reality-Kunst: In der HafenCity findet man kulturelle Vielfalt auf engstem Raum. Das Angebot reicht von kuratierten Kunstprojekten über Sommer-Events mit Tanz, Poetry Slam und Lesungen bis hin zu internationalen Festivals wie dem Harbour Front Literaturfestival. Ikonen wie die Elbphilharmonie oder das Internationale Maritime Museum werden ergänzt durch Galerien und neue Konzepte wie immersive digitale Ausstellungen.
Die kulturelle Aneignung des Ortes war von Beginn an zentral. Als Teil des früheren Freihafens war das Gebiet lange vom städtischen Leben ausgeschlossen. Mit der Entwicklung der HafenCity stellten sich daher eine grundlegende Frage: Wie kann ein neuer Stadtraum sozial und kulturell lebendig werden? Antworten gaben nicht nur das Konzept der Mischnutzung und vielfältiger Wohnungsbau, sondern die aktive Förderung kultureller Projekte. Praktisch von Anfang an belebten Künstler*innen das Gebiet, machten es öffentlich sichtbar und legten damit den Grundstein für seinen gesellschaftlichen Stellenwert.
Vielfältige Angebote
Als neueste Bausteine könnten künftig die neue Hamburgische Staatsoper auf dem Baakenhöft und das Naturkundemuseum an den Elbbrücken entstehen – beide Projekte stehen zur Entscheidung durch Senat und Bürgerschaft an. Das spektakuläre immersive Digital Art Museum ist im Bau weit fortgeschritten und wird die HafenCity ab 2026 weithin sichtbar bereichern.
Apropos weithin sichtbar: Seit 2017 befindet sich die Elbphilharmonie als spektakulärer Bau von Herzog & de Meuron auf dem historischen Kaispeicher A an der Westspitze der HafenCity. Mit ihren zwei Sälen, Hotel, Wohnungen und öffentlicher Plaza wurde sie zu einem international gefeierten Wahrzeichen. Ihre Besucherzahlen belegen eindrucksvoll, dass sie weit über Hamburg hinausstrahlt.
Zusammen mit dem geplanten Elbtower und dem Spiegel-Ensemble bildet die Elbphilharmonie ein städtebauliches Dreieck in der HafenCity.
Neben den neuen Wahrzeichen prägen auch historische Orte das kulturelle Gesicht. Im Kaispeicher B, dem ältesten Speichergebäude Hamburgs, zeigt das Internationale Maritime Museum Hamburg die umfangreiche Sammlung Peter Tamms mit Modellen und maritimen Exponaten. Das Automuseum Prototyp in der Shanghaiallee präsentiert historische Rennwagen und spektakuläre Ausstellungen wie die BMW Art Cars ebenfalls in den denkmalgeschützten Räumen einer früheren Fabrik.
Das Quartier Oberhafen, wo einst Waren gelagert wurden, wird schrittweise zu einem offenen Kultur- und Produktionsstandort entwickelt. Hier arbeiten Architekturbüros, Werkstattkollektive, Galerien, Verlage und Filmproduktionen Tür an Tür mit dem Coworking-Space FilmFabrique, der Halle 424 und Initiativen wie Lukulule und Parkour Creation e. V. Auch die Hanseatische Materialverwaltung mit ihrem Upcycling-Fundus und Festivals sind hier beheimatet. Der Oberhafen wird ab 2026 zudem erneut zur Heimat eines Musikclubs: Der Club glimmer tritt das Erbe des Club Moloch an.
Kulturelles Netzwerk
Bereits ab 2001 traten Pioniere aus Kunst und Kultur auf das unbekannte Terrain: mit Installationen, Baustellenkonzerten und vielem mehr. 2003 wurde das Gebiet aus dem Hamburger Freihafen entlassen, danach wuchs die Zahl kultureller Projekte rasch. Ab 2005 unterstützten die HafenCity Hamburg GmbH und die Kulturbehörde die institutionelle Förderung durch die Kooperation Kunst und Kultur in der HafenCity, die auch von der Hamburgischen Kulturstiftung und der Körber-Stiftung getragen wurde. So wurden internationale Projekte wie der „Jahrmarkt des Abschieds“ (2005/06) oder das Off-Kunst-Festival Subvision (2009) realisiert.
Ab 2017 prägte die Kuratorin Ellen Blumenstein mit dem Verein Kunst und Kultur in der HafenCity e. V. das Programm Imagine the City. Fünf Jahre lang widmete sich das Konzept dem Verhältnis von Individuum, urbaner Umwelt und Technik. Zu den bekanntesten Arbeiten zähltem die Neoninstallation „Public Face“ von Julius von Bismarck auf der Kibbelstegbrücke, Terence Kohs „Bee Chapel“, Gerrit Frohne-Brinkmanns „Backdrops“ sowie die interaktive Web-App Botboot. So entwickelte sich aus ersten Experimenten ein vielfältiger Kulturcluster, in dem Ausstellungen, Konzerte und digitale Kunstformate gleichberechtigt neben neuen Gebäuden und öffentlichen Räumen stehen. 2025 eröffnete mit dem Urbaneo am Strandkai ein Architekturzentrum für Kinder und Jugendliche am Strandkai.
Botschaft der Wildtiere + Skulptur CRUSH
Weitere Feste Veranstaltungsorte prägen die kulturelle Landschaft wie zum Beispiel das Designzentrum am Magdeburger Hafen oder die Designplattform designxport, Halle 424 für Kammer- und Jazzkonzerte. Ergänzt wird dies durch temporäre Highlights wie das Harbour Front Literaturfestival oder der „elbsommer“ als eigene Veranstaltungsreihe der HafenCity Hamburg GmbH in Kooperation mit zahlreichen Förderern.
Gedenkkultur
Gebäude und Bahnanlagen in der HafenCity wurden im Nationalsozialismus zur Internierung und Deportation von verfolgten Menschen genutzt. Insbesondere der 1872 in Betrieb genommene Hannoversche Bahnhof im Bereich des heutigen Lohseparks wurde ein zentraler Ausgangspunkt für Deportationen in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager im deutsch besetzten östlichen Europa. In 20 Transporten verschleppen die NS-Verantwortlichen von diesem Güterbahnhof mehr als 8.000 Jüdinnen und Juden, Sinti*ze und Rom*nja aus Hamburg und Norddeutschland. Nur wenige von ihnen überleben. Mit der Sprengung des imposanten Bahnhofsportals verschwand der Hannoversche Bahnhof 1955 aus dem Stadtbild. Verfolgtenverbände und weitere Initiativen engagieren sich für ein würdiges Gedenken vor Ort. 2017 wurde das denk.mal Hannoverscher Bahnhof mit Namenstafeln der Opfer am historischen Bahnsteig 2 eröffnet. 2025 kam das denk.mal Fruchtschuppen C hinzu, das im Überseequartier insbesondere an das Leid der Sinti*ze und Rom*nja erinnert. Ein Dokumentationszentrum ist in Planung.
Bereits am Ende des 19. Jahrhunderts wurde Hamburg zu einem Knotenpunkt für Handel und Logistik nkt der Kolonialpolitik des Deutschen Reiches. In diesem Zusammenhang spielte der Baakenhafen eine zentrale Rolle sowohl für Warenumschlag als auch für koloniale Truppen- und Waffentransporte sowie Propaganda. Die Bundesregierung und der Hamburger Senat erkennen die Kriegsverbrechen an den Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) nach heutigen Maßstäben als Völkermord an. Der Senat stellte 2024 unter dem Titel „Hamburg Dekolonialisieren“ ein Erinnerungskonzept zum „Umgang mit Hamburgs kolonialem Erbe und seinen gesellschaftlichen Folgen“ vor. Der Baakenhafen im Erinnerungskonzept „Hamburg Dekolonisieren!“ als eine der Leerstellen in der Erinnerung an den deutschen Kolonialismus im Hamburger Stadtraum benannt, die einer kritischen Kommentierung bedarf.
So hat sich die HafenCity von einem abgeschotteten Freihafengebiet zu einem vielfältigen Kultur- und Erinnerungsort gewandelt.
